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So gesund ist Sonnenlicht
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Sonne
So gesund ist Sonnenlicht

Jonathan Häusser
Arzt und Sportwissenschaftler, Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Autor bei sportsandmedicine.com

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, und die Sonne lässt sich häufiger sehen. Das sind die Zeichen, dass es wieder Frühling wird. Und mit dem Frühling kommen die Frühlingsgefühle. Neben unserer Stimmung werden noch ganz andere Dinge in unserem Körper beeinflusst. Es gibt Hinweise, dass Sonnenlicht auch vielen Erkrankungen vorbeugen kann. Andererseits kommt es bei zu ausgedehnter Exposition zu schädlichen Effekten. Es kommt also auf ein gesundes Gleichgewicht an.

Wie wirkt Sonnenlicht auf unseren Körper?
Um die Wirkung zu verstehen, müssen wir uns erstmal die Zusammensetzung des Sonnenlichts ansehen. Neben dem sichtbaren Licht mit einer Wellenlänge von 400–800 nm enthält es auch Infrarot- (>800 nm) und UV-Licht (100–400 nm). Die UV-Strahlung wird nach der Wellenlänge weiter in UVA, UVB und UVC unterteilt.

•   UVA-Strahlung hat mit etwa 95 % den größten Anteil an der UV-Strahlung, die die Erde erreicht. Sie dringt tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlung. Dabei können Moleküle entstehen, die Entzündungen fördern, aber auch solche, die den Blutdruck senken.
•   Die UVB-Strahlung macht 5 % der UV-Strahlung aus. Sie erreicht nur die oberflächlichen Hautschichten, richtet aber deutlich mehr DNA-Schäden als UVA-Strahlung an. Darüber hinaus ist sie maßgeblich an der Produktion von Vitamin D in unserer Haut beteiligt.
•   UVC-Strahlung wird bereits in der Stratosphäre absorbiert und erreicht die Erdoberfläche nicht.

Vitamin D – das Sonnenhormon
Zwangsläufig wird mit dem Sonnenlicht auch Vitamin D in Zusammenhang gebracht. Es ist eigentlich kein Vitamin, da Vitamine definitionsgemäß nicht vom Körper gebildet werden können. Vitamin D hingegen kann in der Haut durch UVB-Strahlung aus Vorstufen produziert werden. Eigentlich ist Vitamin D ein Hormon – mit vielfältigen Wirkungen. Neben der Eigenproduktion in der Haut kann man es über die Nahrung aufnehmen. Gute Quellen sind fettreicher Seefisch oder Pilze, vor allem wenn man sie noch ein bisschen in der Sonne liegen lässt. In geringeren Mengen ist es auch in Milchprodukten oder Eiern enthalten.

Sonnenlicht ist mehr als Vitamin D
Die gesundheitsfördernde Wirkung des Sonnenlichts geht aber noch über die Wirkung des Vitamin D hinaus. So wird durch die UVA-Strahlung Stickoxid aus der Haut in die Blutbahn freigesetzt. Dies führt zu einer Weitstellung der Gefäße und damit zu einem niedrigeren Blutdruck. Bei Studienteilnehmern, die mit UVA-Licht bestrahlt wurden, hielt diese Blutdrucksenkung etwa 30 min an. Ein weiteres Hormon, das vermehrt produziert wird, wenn wir uns in die Sonne begeben, ist das Proopiomelanocortin (POMC). Zumindest konnte man in Tierversuchen steigende Spiegel bei Bestrahlung von Augen und Haut mit UVA feststellen. Proopiomelanocortin ist eigentlich eine Hormonvorstufe, welche in mehrere Hormone zerteilt wird. Dazu gehören das Hormon MSH, Adrenocoricotropin (ASTH) und Endorphin. Sie alle stimulieren die Melanozyten. Diese drei haben vielfältige Wirkungen. MSH ist nicht nur das Hormon, welches die Bräunung der Haut reguliert. Es wirkt auch appetitzügelnd und kann so dabei helfen, Übergewicht vorzubeugen. ACTH stimuliert die Cortisonbildung. Cortison ist ein Stresshormon und sorgt dafür, dass Energie aus Speichern wie dem Fettgewebe mobilisiert wird. β-Endorphin hingegen wirkt eher appetitanregend, weshalb die Wirkung auf den Appetit und die Nahrungszufuhr insgesamt noch unklar ist.Darüber hinaus haben sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung eine direkte Wirkung auf das Immunsystem. Das kann man sich bei Autoimmunerkrankungen zunutze machen. Über die Beeinflussung von regulatorischen Immunzellen verbessert Sonnen-exposition auch die Insulinsensitivität. Das führt dazu, dass aufgenommener Zucker einfacher verstoffwechselt wird und der Blutzucker nicht so in die Höhe schießt.

Sonnenlicht zur Therapie und Prävention
Daher kommt Sonnenlicht auch in der Therapie einiger Erkrankungen zum Einsatz. Viele Hauterkrankungen werden schon länger mit Sonnenlicht bzw. UV-Strahlung behandelt. Bei der Winterdepression ist dies ebenso der Fall, dazu später mehr. Vor allem im Zusammenhang mit der Vitamin D-Forschung war das Thema Krebs von großem Interesse. Es gab in der jüngeren Vergangenheit einige Studien, die ein geringeres Krebsrisiko bei ausreichender UV-Exposition feststellten. Eine zusammenfassende Analyse stellte fest, dass regelmäßiges Sonnenlicht zu einem selteneren Auftreten von Darm-, Brust- und Prostatakrebs sowie von Lymphomen führt. Auch hier ist Vitamin D nicht allein für diese Effekte verantwortlich. Es gibt noch weitere Faktoren, wie z. B. die Veränderungen im Immunsystem durch die Sonneneinstrahlung. Neben Krebs sind Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht in der westlichen Welt weit verbreitet. Auch hier konnten einige Studien Verbindungen zur Sonnenexposition nachweisen. Menschen mit Typ 2-Diabetes hatten bei regelmäßiger, moderater Sonnenexposition eine verbesserte Insulinausschüttung und geringere Entzündungswerte. Bei multipler Sklerose gibt es Hinweise darauf, dass sie häufiger auftritt, wenn man nicht genug in der Sonne ist, und dass das Risiko, an dieser Erkrankung zu versterben, mit zunehmender Sonneneinstrahlung sinkt. Auch andere Autoimmunerkrankungen wie z. B. Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und allergische Reaktionen verlaufen bei mehr Sonnenlicht häufig milder oder treten seltener auf.

Frühlingsgefühle
Während man die Auswirkungen auf die oben genannten Krankheiten nicht unmittelbar an sich selbst feststellen kann, gibt es andere Dinge, bei denen das sehr wohl möglich ist. Ein gutes Beispiel ist die Stimmung. Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, sich die Sonne häufiger sehen lässt und die Bäume wieder zu blühen anfangen, bessert sich bei vielen Menschen die Laune, und es kommen Frühlingsgefühle auf. Faktoren wie niedrige Luftfeuchtigkeit, viel Sonnenlicht, hoher Luftdruck und hohe Temperaturen gehen mit einer besseren Stimmung einher. Je mehr Zeit man dann im Freien verbringt, desto größer ist die Wirkung. Das relativiert sich allerdings im Sommer wieder, wenn die Temperaturen weiter ansteigen. Wenn es zu heiß wird, sind wir wieder schlechter gelaunt. Dann gibt es auch eine Tendenz zu mehr gewalttätigem Verhalten. Wir scheinen eine Wohlfühltemperatur zu haben, die bei etwa 22°C liegt. Bei dieser Temperatur ist auch die Gedächtnisleistung am besten. Die Frühlingsgefühle helfen häufig auch bei der Partnersuche. Tatsächlich wurde wissenschaftlich untersucht, wie die Chancen stehen, die Telefonnummer einer Frau abhängig vom Wetter zu erhalten. An sonnigen Tagen lag die Erfolgsquote bei 22 %, wenn es bewölkt war, nur bei 14 %. Das gute Wetter hat noch einige andere interessante Auswirkungen. Mit den Frühlingsgefühlen werden anscheinend die Spendierhosen angezogen, denn an sonnigen Tagen wird mehr Trinkgeld gegeben. Zudem sind die Renditen bei Aktien bei gutem Wetter besser. Das gute Wetter versetzt uns in Kauflaune und macht risikofreudiger.

Das Ende der Winterdepression
Durch das Sonnenlicht vergeht auch die Winterdepression. Vor allem in den Breitengraden, wo die Tageslänge im Jahresverlauf stärker schwankt, ist sie ein häufiges Phänomen, das im Herbst und Winter beobachtet werden kann. In nördlichen Ländern sind bis zu 50 % der Bevölkerung davon betroffen – auch wenn es meistens nur leichtere Formen sind. Die Behandlung erfolgt durch das Tageslicht, auch in Form von Tageslichtlampen. Meistens bessern sich die Beschwerden schon nach der ersten Behandlung. Zudem belegt eine Studie, dass die Serotoninspiegel mit zunehmender Dauer und Helligkeit des Sonnenlichts ansteigen. Das entspricht auch weiteren Ergebnissen. So ist die Stimmung umso besser, je mehr Zeit man bei gutem und sonnigem Wetter draußen verbringt. Man muss aber mindestens 30 Minuten in der Sonne sein, damit man davon profitiert. Im Gegensatz dazu kann es sogar die Stimmung drücken, wenn man bei gutem Wetter gezwungen ist, drinnen zu bleiben. Insgesamt zeigt sich aber ein U-förmiger Zusammenhang. Wenn es zu heiß wird, wird auch die Stimmung wieder schlechter. Und die Formel «gutes Wetter = gute Stimmung» funktioniert nur im Frühling. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das gute Wetter dort noch neu ist.

Zu viel ist auch nicht gut
Nach so viel positiven Nachrichten zum Sonnenlicht sollte man es trotzdem nicht übertreiben. Wie bei vielen anderen Dingen macht die Dosis das Gift. Das Ergebnis zu langen Sonnenbadens ist meist ein Sonnenbrand. Langfristig gibt es aber einige weitere Erkrankungen, die durch zu viel Sonnenlicht ausgelöst werden können. Dazu gehören verschiedene Hautkrebsformen, unter anderem Melanome und Augenerkrankungen wie der graue Star. Insbesondere das Risiko für Melanome steigt mit häufigeren Sonnenbränden in der Kindheit. Wichtig ist es daher, ein gesundes Gleichgewicht zu finden, bei dem man die Vorteile nutzen kann, aber Sonnenbrände vermeidet.

Zusammenfassung
Sonnenlicht hat viele Vorteile. Infektionen treten seltener auf, und Autoimmunerkrankungen verlaufen häufig milder. Wer sich regelmäßig in der Sonne aufhält, hat ein geringeres Risiko für Brust-, Prostata- und Darmkrebs sowie Lymphome. Auch die Überlebenschancen bei Krebs sind bei ausreichender Sonnenexposition besser. Das wird unter anderem dem Vitamin D-Spiegel zugeschrieben. Allerdings ist das Vitamin D nicht alleine für all die positiven Auswirkungen verantwortlich, und die Substitution von Vitamin D kann regelmäßiges Sonnenlicht nicht ersetzen. Auch wenn man Vitamin D einnimmt, sollte man regelmäßig in die Sonne, dabei aber Sonnenbrände vermeiden. Das sorgt auch für eine bessere Laune.

 

 

 

 

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