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Leben heißt Vertrauen

Vertrauen
Leben heißt Vertrauen

Langsam bewegt sich die Schlange voran. Schritt für Schritt rücke ich zum Takt des piependen Bordkartenscanners vor und schaue mich dabei unter den Mitreisenden um. Wer steigt mit ins Flugzeug? Mein Blick bleibt an einer Frau hängen, deren Silhouette unter einem überaus weiten Gewand verborgen ist. Nur das Gesicht lugt aus dem schwarzen Stoff. Verbirgt sie etwas unter der Stofffülle? Wie schnell entsteht Misstrauen! Oder gebe ich Vorurteilen Raum?

Vertrauen hinterfragt

Im letzten Jahr kamen viele Flüchtlinge nach Europa. Manche haben die Hilfsbereitschaft der Europäer ausgenutzt, sich mit mehreren Identitäten finanzielle Leistungen erschlichen oder – schlimmer noch – haben Anschläge verübt und andere Menschen mit in den Tod gerissen. Ich sehe meine Haltung zu Mitmenschen infrage gestellt. Will ich den beiden Flüchtlingen, um die sich meine Frau und ich seit Monaten ehrenamtlich kümmern, weiterhin vertrauen?

Staatlich gefördertes Doping und Korruption bei den Managern in der Welt des Sports, manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren rauben Menschen das Vertrauen in Autoritäten.

Im Kampf um den Brexit haben gestandene Politiker Großbritanniens zu falschen Aussagen gegriffen, um die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Riesige Slogans auf Bussen in knalligen Farben entsprachen nicht der Wahrheit. Dennoch haben sie zunächst ihr Ziel erreicht: Die Mehrheit war für den Brexit. Kann man Politikern noch vertrauen?

Den Medien vertrauen?

Fake-News sind Teil einer brandgefährlichen Entwicklung. Hat doch Ende des Jahres 2016 der pakistanische Verteidigungsminister hochoffiziell dem Staat Israel mit atomarer Vergeltung gedroht, weil Israel einen Atomschlag vorbereite. Dabei war er auf etwas hereingefallen, was man früher eine «Zeitungs-Ente» nannte und heute Fake-News heißt. Die Berliner Nachrichten-Webseite, die die angebliche Atomschlag-Drohung des israelischen Verteidigungsministers in die Öffentlichkeit gebracht hatte, ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden. Die Gefahr liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in der massenweisen Verbreitung solcher Falschmeldungen in den sozialen Medien und in der Leichtgläubigkeit der Leute – Minister eingeschlossen. Zu Recht landete ein Mann hinter Gitterstäben, der unter den Hunderttausenden von Menschen auf der Berliner Festmeile zum Jahreswechsel «Bombe, Bombe!» rief und mit dem frei erfundenen «Fund» leicht eine Massenpanik hätte herbeiführen können. Darum erhebt sich einmal mehr die Frage: Wem kann man noch vertrauen?

Dass die schönen Frauen auf den Titelseiten mancher Hochglanzmagazine nur dank Photoshop – einem weit verbreiteten Grafikprogramm – so schön aussehen, weiß jeder. Dass die Spieleindustrie es jedoch inzwischen geschafft hat, auch bei real gefilmten Menschen die Mimik in Echtzeit zu manipulieren, ist vielen neu. In der Konsequenz bedeutet das, dass man einen Menschen auf dem Bildschirm etwas sagen lassen kann, was er nie gesagt hat. Da man es aber als Video sieht, ist der Normalbürger nicht in der Lage zu erkennen, ob es sich um Wahrheit oder eine Fälschung handelt. Wem vertrauen?