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Psychologie des Essens
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Ernährung
Psychologie des Essens

Christof Sommersguter
Lehrer für Deutsch, Psychologie & Philosophie, Chefredakteur von «salvationandservice.org»
Salzburg, A

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort «Hunger» hören? Vielleicht sehen Sie ein Bild Ihres geöffneten Kühlschrankes vor Ihrem inneren Auge. Möglicherweise denken Sie aber auch an die vielen Menschen, die nicht genügend zu essen haben.

Um zu überleben, muss der Mensch seinem Körper genügend Nährstoffe zuführen. Doch das Richtige in der richtigen Menge und Vielfalt zu essen, ist noch keine Garantie für Gesundheit und Wohlbefinden. Und ein knurrender Magen ist nicht die einzige Art, wie Menschen Hunger empfinden können. Nicht umsonst ist die Rede von «Wissensdurst» oder «das Auge isst mit». Bevor ich Ihnen einige Phänomene der Psychologie des Essens vorstelle, versuchen Sie, Beispiele aus Ihrer eigenen Erfahrung mit den verschiedenen Hungerarten, wie sie in nachfolgender Tabelle dargestellt sind, zu verbinden.

Bruce Alexanders Rattenpark
Im Jahr 1981 begann der kanadische Psychologe Bruce Alexander eine für Ratten artgerechte Wohnkolonie von etwa 20 m2 zu bauen. Der Rattenpark wurde genau temperiert, überall lagen herrliche Kiefernspäne und allerlei buntes Spielzeug herum. Es gab Platz für Paarungen, Geburten, zum Streunen für abenteuerlustige Männchen und kuschelige Nester für säugende Weibchen. Ein wahrer Rattenhimmel!
Sein Ziel war, die vorherrschende Lehrmeinung zur Ursache des Drogenkonsums zu widerlegen. Die These lautete, dass Menschen immer dann Drogen nehmen, wenn diese verfügbar sind. Das hatte man von Experimenten mit Ratten abgeleitet.
In ihrem Paradies konnten die Ratten zwischen Leitungswasser und gesüßtem, mit Morphium versetztem Wasser wählen. Nach bisherigen Forschungen wäre zu erwarten gewesen, dass die nachtischaffinen Nager die mit Drogen versetzte und frei verfügbare süße Flüssigkeit bevorzugen. Tatsächlich war aber genau das Gegenteil der Fall – sie wählten zu einem überwältigenden Teil das Leitungswasser. Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe in Käfigen gehalten. Da Ratten Rudeltiere mit ausgeprägten sozialen Verhaltensweisen sind und diese in den Käfigen unterdrückt wurden, wählten sie vom ersten Augenblick an die erleichternde Wirkung der Drogen und wurden süchtig. Versetzte man sie später jedoch in den Rattenpark, der ihrer natürlichen Lebensweise viel mehr entsprach, entwöhnten sich die Tiere selbstständig von der Droge, wenn auch unter zuckenden und zappelnden Entzugserscheinungen. Als die Forscher die Trinkflüssigkeit mit Naloxon mischten, einem Stoff, der die Wirkung des Morphiums im Körper außer Kraft setzt, bevorzugten die Ratten wieder die süße Flüssigkeit. Somit wurde bewiesen, dass die Ratten ganz bewusst die drogenhaltige Sub­stanz mieden, allem süßen Anreiz zum Trotz.
Alexander und seine Kollegen haben gezeigt, welch großen Einfluss soziale und emotio­nale Gegebenheiten auf den Gebrauch pharmakologischer Substanzen haben. Sie sagten, dass wir nicht von den in den Drogen enthaltenen Substanzen süchtig würden, sondern deren Wirkung als Hilfe im Umgang mit schwierigen Lebensumständen heranzögen.

Betrachten Sie noch einmal die verschiedenen Arten von Hunger (Tab. 1). Dient Ihnen Essen einzig und allein zur Nährstoffaufnahme? Es gibt viele andere Gründe zu essen, und diese können positive wie negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Wie die Ratten aus Bruce Alexanders Rattenpark werden wir in unseren Entscheidungen, bewusst oder unbewusst, von der Umwelt beeinflusst. Dazu kommen noch genetische Faktoren sowie die Fähigkeit der Selbstbetrachtung und -steuerung oder anders gesagt: die menschliche Willenskraft. Wer auf einen gesunden Lebensstil Wert legt, sollte auch in Ernährungsfragen alle genannten Ebenen bedenken. Superfoods und das Wissen über die Wirkung von Nährstoffen sind nur eine Seite – eine andere ist die Psychologie des Essens.

 

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