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Fehler. Was sie mit mir machen. Was ich mit ihnen mache.
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Integrität
Fehler. Was sie mit mir machen. Was ich mit ihnen mache.

Elitsa Boksberger
Beratung & Seelsorge
Dielsdorf, CH

Ich bin von so viel Ehrlichkeit beeindruckt
Eine sehr gute Freundin erzählte mir, wie sie diesen Frühling ihre Tasche samt Geldbörse (mit nicht wenig Geld darin) im Bus vergessen hatte. Ein paar Stunden später, nachdem sie mehrmals nachgefragt hatte, ob etwas gefunden worden sei, habe man sie kontaktiert. Sie bekam die Tasche mit dem ganzen Inhalt wieder zurück!
Ich freute mich für meine Freundin, die sonst, neben dem großen Verlust, viele Karten hätte sperren lassen müssen. Ja, ich freue mich aufrichtig, dass es ehrliche und verständnisvolle Menschen gibt, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man etwas verliert.

Die innere kritische Stimme
«So eine bist du aber nicht ...» «Hä? Wie meinst du das jetzt?» Während ich mich freue, werde ich von meiner inneren kritischen Stimme da­ran erinnert, dass ich nicht unbedingt zu der Spezies gehöre, die immer ehrlich, mitfühlend und korrekt handelt. Die innere Stimme fährt unbeirrt und unerbittlich fort, und die Erinnerung kommt wieder, als ob es erst gestern gewesen wäre. Ich war 23 Jahre alt, als ich in der Straßenbahn einen Turnbeutel mit teuren Markenschuhen fand. Ich nahm den Beutel an mich, um ihn abzugeben ... habe es aber nie getan. Die ermahnende Stimme nahm Fahrt auf, und die Erinnerungsflut drohte mich zu ertränken. Eine Geschichte nach der anderen kam zum Vorschein. Und die Erinnerungen wurden dunkler und dunkler: Begebenheiten aus meiner Jugendzeit, aus meiner Kindheit sogar, und Fehler aus längst vergangenen Zeiten. Doch irgendwie verblassen die Erinnerungen, aber die Gefühle daran nicht. Wenn ich die Augen schließe, kann ich die Situationen noch sehen und hören, wie wenn sie sich gestern abgespielt hätten. Und leider geht es da nicht nur um Markenschuhe. Verletzte Gesichter. Gebrochene Stimmen. Tränen. Fehler. Scham. Schuld. Je geradliniger ich in meinem bewussten Erwachsenalter leben möchte, desto mehr scheinen mich Scham und Schuld aus der Vergangenheit davon abhalten zu wollen. Immer wieder habe ich versucht, dagegen vorzugehen. Die «Vogel-Strauß-Politik» mit ihrer «Kopf in den Sand-Taktik» half mir dabei nicht weiter. Ich habe wirklich versucht, die Fehler, die ich gemacht habe, oder Verletzungen, die mir angetan wurden, zu ignorieren. Erfolglos. Auch Wut hat mich längerfristig nicht weitergebracht.

Kennst du die Trauer?
Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn dich jemand verletzt hat und du traurig darüber bist? Wenn du dich in den Tränen darüber, was gewesen war oder hätte sein können, fast ertränkst? Ich kenne dieses erdrückende Gefühl sehr gut. Manchmal fürchtete ich, für immer in der Traurigkeit hängen zu bleiben. Wenn es darum geht, mit meinen eigenen oder mit den Fehlern anderer fertigzuwerden, spielt die Trauer schon eine wichtige Rolle. Für eine Weile half sie mir, mit der Situation besser umzugehen, aber die Lösung war sie nicht. Manchmal wurde sie so übergroß, dass sie zu einer Frustration und stillen Verzweiflung führte. Und dann wieder zu Wut. Mir oder XY gegenüber. Gar nicht gut. Für meine Umgebung nicht und schon gar nicht für mich und meine Gesundheit.

 

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