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Die heilende Wirkung von Wasseranwendungen
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Wasser
Die heilende Wirkung von Wasseranwendungen

Fast jeder hat sich schon einmal einen Finger, den er sich verbrannt hat, mit kaltem, fließendem Wasser gekühlt. Hingegen wärmen wir uns im Winter, wenn es kalt ist, unsere Hände manchmal auch unter fließendem warmem Wasser auf. Aber was hat es eigentlich mit der sprichwörtlichen «kalten Dusche» auf sich? Wie wirkt Wasser, wenn es äußerlich angewendet wird?

Dr. med. Achim Noltze
Orthopäde und Unfallchirurg, Chefarzt Sankt Rochus Kliniken
Bad Schönborn, D

Aus Erfahrung

Die Wirkung von Wasser auf unseren Körper ist seit der Erschaffung unseres Planeten ein Bestandteil des Erfahrungswissens von uns Menschen. Bestehen doch unser Planet und unser Körper zu großen Teilen aus Wasser! Schon 2000 v. Chr. gab es Mitteilungen über therapeutische Anwendungen von Wasser und Bädern in Indien, später auch in Griechenland und im antiken Rom. Lange Zeit war die Therapie jedoch in Vergessenheit geraten. Der schlesische Bauernsohn Vinzenz Prießnitz und der schwäbische Pfarrer Sebastian Kneipp entdeckten im 19. Jahrhundert in Europa wieder die Wasseranwendung zu therapeutischen Zwecken, auch Hydrotherapie genannt. Die Faszination dieser Therapieform lag darin, dass man beobachten und erfahren konnte, wie die Anwendung von Wasser mit verschiedenen Temperaturen zu Erfolgen führte. Inzwischen ist die Hydrotherapie anerkannter Bestandteil der modernen Schulmedizin und eine Domäne der physikalischen und rehabilitativen Medizin. Sie hat in den letzten Jahrzehnten im Rahmen der Wellness- und Lifestyle-Welle zunehmend an Beliebtheit gewonnen – auch vor dem Hintergrund, dass unsere Lebensweise immer mehr Bedingungen aufweist, an die wir physiologisch nicht angepasst sind und die uns krank machen.

Wirksame Faktoren

Die Wirkfaktoren der Hydrotherapie sind die Temperatur des Wassers, der hydrostatische Druck, die Auftriebskraft des Wassers sowie dessen Reibungswiderstand. Hinzu kommen mechanische Wirkungen (z. B. eines Wasserstrahles) und chemische Wirkungen von Substanzen, die im Wasser natürlich vorkommen oder hinzugefügt werden. Die wesentliche Wirkung von Wasser entsteht durch die Einwirkung von Wärme oder Kälte auf unseren Körper. Wasser hat gegenüber Luft eine um das 100fache höhere Wärmeleitung und übt dadurch eine viel schnellere und unmittelbarere Wirkung auf unseren Körper aus. Dabei hat die Temperatur des Wassers über die Thermoregulation des Körpers und die damit verbundene Blutumverteilung einen erheblichen Einfluss auf unser Herz-Kreislauf-System. Aber auch der hydrostatische Druck, der beim Eintauchen des Körpers ins Wasser wirksam wird, verursacht eine Vermehrung des Blutvolumens.

Thermoregulation

Der Mensch ist ein «Warmblüter», d.h. der reguläre Ablauf seiner Lebensvorgänge ist daran gebunden, dass die Temperatur der Kernbereiche des Körpers innerhalb enger Grenzen von 37°C +/- 0,6°C konstant gehalten wird. Durch Mechanismen der Thermoregulation ist der Mensch zur Aufrechterhaltung dieser Kerntemperatur bei einer Umgebungstemperatur der Luft zwischen +3°C und 60°C in der Lage. Im Wasser ist dieser Bereich sehr viel kleiner. So wird Wasser zwischen 34 und 35°C als angenehm empfunden. Die Regulationsmechanismen umfassen die Steuerung der Hautdurchblutung, die Schweißabsonderung und die Wärmebildung, z. B. durch Muskelarbeit. Sie werden im Gehirn durch die Verarbeitung von Informationen der Thermosensoren in unserem Körper ausgelöst. Dabei ist die Regulierung der Hautdurchblutung der effektivste Mechanismus und ein sehr schnell regulierbarer Wärmetauscher. Sie kann z. B. beim Übergang von sehr kalter auf sehr warme Umgebungstemperatur um das 20fache ansteigen und bis zu 7-8 Liter bzw. 50-70 % des Herzminutenvolumens betragen. Die Regulierung erfolgt durch die vom sympathischen Nervensystem gesteuerte Gefäßverengung oder -erweiterung. Die durch Kälte ausgelöste Verengung der Hautgefäße verläuft im Wasser infolge der viel höheren Wärmeleitung gegenüber Luft sehr viel schneller ab. Das gilt ebenso für die Wärmeabgabe, die im Wasser praktisch ausschließlich über Wärmeleitung erfolgt. Die Schweißverdunstung ist nur über nicht im Wasser eingetauchte Körperflächen möglich.

 

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