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Medien & Integrität: Eine Herausforderung unserer Zeit?
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Integrität
Medien & Integrität: Eine Herausforderung unserer Zeit?

Paulin Giurgi
Vorstand Kommunikation und Marketing

Im Zeitalter des «Alles, Hier und Jetzt» gewinnt das Thema Integrität auch in der medialen Berichterstattung an Aktualität und Brisanz.

Medienhäuser kämpfen um Ansehen, Marktdominanz und Vertrauen. Ja, um Abonnenten, um Zuschauer, um Leser und Hörer. «Follower» heißt die neue Währung im Zeitalter des rapiden Internets und der Sozialen Medien. Aber was ist der Preis dafür?

Journalismus schlägt Politik
Bei einem Rockkonzert im Oktober 2015 sterben im Bukarester Club Colectiv 27 Menschen und weitere 180 werden verletzt. Feuer bricht während des Bühnenprogramms aus, und in wenigen Minuten steht das gesamte Lokal in Flammen. In den darauffolgenden Wochen sterben weitere 37 Menschen an ihren gar nicht lebensbedrohlichen Verletzungen. Wie es dazu kam, hat die Öffentlichkeit nur dank dem Sportjournalisten Catalin Tolontan und seiner Redaktion von Gazeta Sporturilor erfahren. Denn seine gründliche Recherche deckt einen Riesenskandal im Gesundheitswesen des Landes auf: In vielen rumänischen Krankenhäusern werden stark verdünnte Desinfektionsmittel eingesetzt, die ihre antibakterielle Wirkung fast komplett verloren haben. Die journalistische Nachforschung und die daraus entstehende Berichterstattung zwingen die gesamte Regierung zum Rücktritt. Bemerkenswert ist, dass es sich um eine Sportredaktion handelt, die hartnäckig die Wahrheit ans Licht bringen will, auch wenn das Thema nichts mit ihrem Interessensgebiet zu tun hat. Unter den diesjährigen Oscarpreisnominierungen fand sich auch der explosive Dokumentarfilm von Regisseur Alexander Nanau über die unerträglichen Lügen und die tödliche Korruption nach dem Brand in dem Bukarester Nachtclub wieder.

Eine kompromisslose und hartnäckige Berichterstattung, die die Regierung eines EU-Landes zum Rücktritt zwingt – Journalismus schlägt Politik! Zugegeben, solche Beispiele sind eher selten, aber sie müssen gewürdigt werden. Denn wenn wir an Medien und Integrität denken, würden wir eher an negative Beispiele wie den «News of the World»-Skandal mit den geheimen Abhörungen von Mobilfunk-Mailboxen und den vermeintlichen polizeilichen Bestechungen denken, die Mitarbeiter des Medienmoguls Rupert Murdoch etwa von 2005 bis 2010 systematisch betrieben. Der Einfluss auf politische Entscheidungen und Prozesse weltweit und besonders in Großbritannien lässt sich im Murdoch-Skandal schwer einschätzen.

Die Macht der Medien und ihre Verantwortung
Der unter dem Namen Malcolm X bekannte US-amerikanische Aktivist und Bürgerrechtler hat die gewichtige und gleichzeitig kritische Rolle der Medien in der Gesellschaft so formuliert: «Die Medien sind das mächtigste Instrument auf Erden. Sie haben die Macht, den Unschuldigen schuldig und den Schuldigen unschuldig zu sprechen.» Mit anderen Worten: Sie haben die notwendigen Werkzeuge, um Sympathien und Antipathien gegenüber Menschen, Ideen oder Initiativen zu wecken. Eine der letzten Prüfungen für die Fairness und Integrität der medialen Berichterstattung, auch in den westeuropäischen Ländern, war die jüngste Präsidentschaftswahl in den USA. Mit Donald Trump trat für eine zweite Amtszeit ein Kandidat an, der in Sachen Sympathie nur bei einem bestimmten erzkonservativen Wählersegment punkten konnte; die liberale politische Welt sah in einer zweiten Amtszeit eine reale Bedrohung für die Werte der liberalen Demokratie, die, meiner Meinung nach, immer noch alternativlos ist und immer noch das beste politische System abbildet.

 

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